„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ | Silikone

Jeder kennt sie, Fugenfüller, Faltenfüller, Haarauffüller und Brustfüller, Silikone sind vielfältig anwendbar, doch sind sie in unserer Kosmetik wirklich so schädlich wie man manchmal zu hören bekommt? Ich habe mich entschieden mein lichtes Haupthaar durch einen Bartwuchs zu kompensieren, sodass ich mich zum letzten Teil des Hobbits authentisch als Zauberer verkleiden kann. Damit der Zaubererbart auch gepflegt aussieht habe ich mir Shampoo und Pflegeöl besorgt und bin auf geheime Wunderzutaten gestoßen: Amodimethicone, Cyclomethicone, Dimethicone. Nach einer kurzen Webrecherche findet man sofort raus, dass diese Stoffe mit bezaubernden Namen Silikone sind und ihre Brüder und Schwestern verstecken sich unter anderem in meiner Handcreme, Bodybutter und vielen anderen Produkten. Ich habe mich deswegen mit Silikonen beschäftigt, welche schon länger unbeachtet unter meinem Dach wohnen und möchte euch gerne mein Fazit über diese zwiespältigen Wunderstoffe der Chemieindustrie  offenbaren.

Also erst einmal die Grundlagen. Silikon ist ein Begriff für eine Vielzahl von synthetischen Polymeren, welche aus Siloxaneinheiten bestehen, welche über ihre Sauerstoffatome miteinander verbunden sind. Dadurch können, wie bei einem Legobaukasten, kettenförmige, ringförmige, netzförmige… Polymere entstehen, in welche auch noch zusätzliche Stoffe eingelagert werden können.
Somit können wir Silikone variabel für jeden Anwendungszweck herstellen. Polymere für Fugenfüller, Schmiermittel, Backform  und Brustimplantate können wir uns noch gut vorstellen, doch was haben sie in unserer Kosmetik zu suchen?
Ganz einfach, sie erfüllen sehr ähnliche Aufgaben wie in der Industrie. In unserer Haarpflege legen sich Silikone als sehr dünne Schutzhülle um unsere Haare, wodurch sie das Haar physisch verstärken, die Haaroberfläche glätten und noch als Hitzeschutz dienen können. Die Cremes und Lippenstifte werden sehr geschmeidig, die Haut erhält einen nicht öligen, geschmeidigen Film und auch das Lippenrot wird besonders gut und angenehm fixiert. Im Gleitgel, naja, das ist wohl selbst erklärend 😉 ! Sogar Falten lassen sich kurzzeitig mit Silikon oberflächlich auffüllen.
Das hört sich jetzt erst einmal alles super an, Silikone sind wahre Alleskönner, jedoch stimmt das nicht ganz. Silikone können vielfältige physikalische Funktionen erfüllen, jedoch haben sie keine pflegenden Eigenschaften an sich, sodass diese immer durch andere Wirkstoffe kompensiert werden müssen. Zusätzlich unterscheiden sich Silikone in ihrer Wasserlöslichkeit/Wasserunlöslichkeit, wodurch der Schutzfilm auf Haut und Haar schnell einmal zu einem, schwer zu entfernenden, hermetischen Schutzwall werden kann. Shampoonieren wir unser Haupthaar mit einem silikonhaltigem Shampoo, silikonhaltiger Spülung, silikonhaltiger Kur und silikonhaltigem Pflegeöl, so kann nicht nur das Haar beschwert werden, sondern auch die Kopfhaut zu stark mit Silikonen bedeckt werden, was vor allem für empfindliche Haut ein Problem darstellen kann. Auch bei anderen Kosmetikprodukten ist es nicht gut wenn wir unser Gesicht regelrecht mit Silikon abdichten, sodass die Haut weder atmen noch transpirieren kann. Wir kleistern uns dann sprichwörtlich mit Silikon zu.
Des Weiterten sind Silikone ökologisch kritisch zu betrachten. Zwar werden die Produktionsmengen für Kosmetik wohl noch geringer ausfallen als für industrielle Zwecke, doch kommt mit jedem Duschgang das Silikon aus Shampoo, Spülung und Make-up mit in das Abwasser. Unsere guten Silikone sind nicht abbaubar und sammeln sich im besten Fall als Sediment in Kläranlagen an und werden später verbrannt. Somit haben wir bei der Herstellung und bei der Entsorgung eine sehr hohe CO2-Belastung. Hinzu kommt, dass sich Silizium, welchem ein Grundbaustein des Silikons ist, im Verbrennungsofen und Grundwasser ansammelt, wobei dies erst einmal nicht bedenklich ist (Silizium, meist in Form von Kieselsäure ist ein wichtiger Bestandteil im Wasser und für uns essentiell). Trotzdem fallen einem die Nachteile auf, wenn der Verbrennungsofen öfters gereinigt werden muss, weniger effektiv arbeitet und Silizium sich im Wasser immer mehr anreichert.

In meinen Augen sind Silikone, klug eingesetzt, in Kosmetik und Körperpflege durchaus von Nutzen, jedoch sollte man es nicht übertreiben. Wenn Silikone nur in geringen Mengen enthalten sind, muss man sich bei einem normalen Verbrauch keine Bedenken machen, dass man seine Haut und sein Haar mit Silikon zu spachtelt. Eine Faustregel ist, dass Silikone im unteren Drittel der Ingredentien ein durchaus vertretbarer Inhaltsstoff sind.
In der Haarpflege finden wir sie jedoch häufiger in höheren Mengen. Aber auch dies hat seinen Sinn. Wenn das Haar kaputt ist, ist es und bleibt es kaputt, da es ein totes Material ist und sich nicht regenerieren kann. Somit bringt die Olivenhaarkur nichts, wenn der Spliss schon da ist. Es bleiben also zwei Möglichkeiten: Silikonhaltige Pflege oder ein Rückschnitt. Aber auch hier sollte man sich zügeln. Gesundes und starkes Haar braucht in den seltensten Fällen silikonhaltige Pflege. Zudem lässt eine zu dichte Silikonschichte nur begrenzt  Haarfarbe und Pflegestoffe an das Haar.
Die Vorsorge ist hier wichtiger als die Nachsorge. Wer seine Haare hemmungslos färbt, glättet, lockt und der prallen Sonne aussetzt, der kommt ohne Silikone wohl kaum aus. Doch wer seine Haare sorgsam behandelt und sie mit reichhaltiger, aber silikonfreier Pflege verwöhnt, kann ebenso kräftiges, glänzendes und gesundes Haar haben wie mit Silikonen. Die umstrittenen Wunderwaffen sind auch leicht zu finden, denn endet ein Inhaltsstoff auf –cone , -conol und-xane dann versteckt sich ein Silikon dahinter. Entscheidet selbst wie viel Silikon ihr in eurer Kosmetik haben wollt. Ich persönlich sehe klar den Nutzen von Silikonen, doch möchte ich nicht  unbegrenzt Kunststoff auf der Haut oder in meinem Bart haben, wenn es auch ebenso gut ohne funktionieren kann.

Tüdeldüü, euer Bärchen

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2 Gedanken zu “„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ | Silikone

  1. Sehr schön geschriebener Beitrag und auch echt wichtig. Vor ein paar Jahren hab ich ein böses Silikon erwachen gehabt. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst, dass ich meinem Haar so viel zumute. Hab also schön meine Haare mit Schampoo und Spülung, plus so einem Spray bearbeitet und mich sehr über die vielen positiven Haarkommentare meiner Freundinnen gefreut. Doch irgendwann dann wurden die Haare anders, matt, träge und am Haaransatz standen kurze Haare störrisch ab. Beim Fachmann wurde mir dann erklärt, dass durch die ganzen Silikone mein Haar zu schwer geworden war und abbricht. Hat wirklich Jahre gedauert bis mein Haar wieder einigermaßen gesund war. LG Lissa

    • Ja, man denkt gar nicht wie viel Silikon sich über die Zeit im Haar ansammeln kann, besonders wenn das Haar länger ist. Aber es ist wie mit vielen Sachen, allein die Dosis unterscheidet Gift und Heilmittel. Vielen Dank für den schönen Kommentar, LG Bärchen 🙂

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