Von der Schönheit des Abschiednehmens

Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, was denn bitte an einem Abschied schön sein soll, schließlich ist es eine traurige Angelegenheit liebe Menschen zu verlassen… Oder etwa nicht?

Ich will nicht behaupten, dass Abschiede immer leicht sind. Abschiede auf kurze Dauer nehmen wir meist nicht als solche war – wenn wir zum Beispiel wissen, dass wir unsere Großeltern am Wochenende auf Kaffee und Kuchen treffen oder die beste Freundin montags in der Schule.
Etwas längere Abschiede wie zum Beispiel für eine oder zwei Ferienwochen sind für manche Leute schon schwieriger zu bewältigen. Kleiner Hinweis: Sagt das 16-jährige Mädchen am Telefon „Ich sehe meinen Freund 8 Tage nicht, ich habe keine Ahnung wie ich die Trennung überleben soll“… Jup, soviel dazu. Die Tatsache ist, dass es eine Trennung auf bestimmte Zeit ist und der Zeitraum vergleichsweise kurz. Vor der Trennung ist klar, dass man sich in so und so vielen Tagen wieder treffen kann. Genau das ist wichtig; die Gewissheit: dass man sich nach einem festen Zeitraum sehen kann, auch wenn man es nicht muss!!

Etwas anders sieht es aus, wenn man auf unbestimmte Zeit weg geht und am besten noch um die halbe Welt reist. In meinem Fall ist der Zeitraum zwar grob festgelegt, allerdings mit einem ziemlich großen Spielraum. Somit befinde ich mich quasi in der Mitte von zwei Stühlen – langer, grob- aber un-bestimmter Aufenthalt mit der Gewissheit einer Rückkehr (in irgendeiner Form, sprich definitiv Europa).

Damit einher gehen einige Problemchen – vieles ist zu klären und noch viel mehr zu erklären. Eine große Sache war aber vor allem der Abschied, die (räumliche) Trennung von Freunden und Familie. Ich bin nicht der Typ, dem es unglaublich schwerfällt weg zu gehen oder Leute weg gehen zu lassen, das war bei meinem Umzug von Luxemburg nach Dresden natürlich extrem hilfreich. Trotzdem werde ich „meine“ Leute vermissen.

Durch das liebe Internet ist es in heutigen Zeiten natürlich super einfach Kontakte zu hegen und zu pflegen – vor allem Skype und mittlerweile auch Whatsapp sind echte Schätzchen! Ich kann Fotos verschicken, kleine Nachrichten wo ich bin und was ich gerade mache, kann Freunde sehen und deren Stimme hören. Fernbeziehung light sozusagen. Das macht vieles leichter, allerdings stellt sich gleichzeitig die Frage ob der Sinn eines Auslandaufenthaltes / eines Weg-Gehens nicht teilweise durch diesen doch ständigen und nahen Kontakt verloren geht oder zumindest gemindert wird…

Aber jetzt zum eigentlichen Sinn dieses Blog-Beitrags – Mir ist es nicht schwer gefallen mich von meinen Freunden zu verabschieden, weil es die richtigen Freunde sind! Echte Freunde sind selten, und ich befinde mich in der glücklichen Position ein paar davon zu „besitzen“. Auch wenn wir uns Monate lang „nicht sehen“ werden bin ich mir sicher, dass die Verbindung bestehen bleibt. Klar werden wir uns alle weiter entwickeln und uns vielleicht in einigen Bereichen näher kommen oder entfernen, aber dieses Zwischenmenschliche wird wohl bestehen bleiben.

Der Vorgang der Trennung (puh, das klingt ziemlich steif) war gar nicht so schlimm, irgendwie sogar schön – ist es nicht toll zu merken, wie gern Menschen die man hoch achtet einen haben? Die innige Freundschaft einer letzten Umarmung, das 10 Mal sich umdrehende und lachendwinkende Bärchen, der Blick meines Freundes vor dem Weg auf die Arbeit, all das sind Komplimente für mich. Irgendetwas muss ich richtig gemacht haben, ich muss ein guter Mensch sein (oder einfach nur Schweine-Glück haben) um so tolle Freunde verdient zu haben!!

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Liebste Grüße an Euch alle aus dem schnuckelwarmen Taipei und ein Hoch auf die Freundschaft
Rotzi

PS: Ist mir egal, ich lass das jetzt so (sonst kriege ich beim Korrektur-Lesen und in-Erinnerungen-schwelgen noch Pipi in die Augen… Ach so, und natürlich ist nicht alles an Abschied schön, aber die traurigen Seiten und Ungewissheiten brauche ich wohl nicht hervorzuheben =)

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5 Gedanken zu “Von der Schönheit des Abschiednehmens

  1. Aww… daat doen erenert mech zimlech un mäin eegenen Erasmus, deen lo leider säit engem Mount riwer ass… Et ass halt sou, dass een un die Lait gewinnt woa, dass sie do woaren an ronderem engem an dass een emer wosst waat maan an lo wou ech rem zréck zu Letzebuerg sin ass daat alles irgendswéi sou komech, dass ech all die open an frendlech Lait nimi hun. Ech hun mech schon emer méi mat den „Internationals“ verstaanen als wéi mat den echten Letzebuerger, dofir feelen maer meng Erasmus-Kollegen na em sou méi.
    Deng Situation, mat deem richtech wäit ewech goen an daat op „ongewesen“ Zäit, hun ech bis elo just aus der aaner Perspektiv materlieft, halt dass ech hai bliwen sin an die aaner mech „verloos“ hun. Meng deemols bescht Frendin woa an Beijing an hat konnt maer o net soen wéini genee hat erem kent; maer hun eis do o just iwert email enerhaalen, zu engem Skype Gespréisch ass et nie komm. Läscht Joer woa een Spuenier hai zu Letzebuerg fir säin Erasmus, heen ass dann o 1 Joer hai bliwen an maer sin richtech gudd mateneen gin, maer schwätzen o elo na. Vue dass heen sou séier net zréck kent an ech sou schnell o net do eroof fueren, probéieren maer dann o iwert all Méiglech Technologie am Kontakt ze bleiwen. Mee waat virun allem awa net sou schéin ass, ass „Life happens!“ an zwa sou, dass d’Liewen weider geet an et mat der Zäit fir ze schwätzen dann awa net sou leeft wéi een sech daat virstellt oder souguer wenscht. Natirlech mat deenen richtechen Kollegen ass et dann emer sou, dass een egal wéi do weider mecht wou een opgehaalen huet, an trotzdem ass et schon e besi traurech wann een sie graad an engem gewesen Moment brauch an et kann een se net ereeschen.

    Naja, lo mol genuch vun deser negativer Anstellung 😉 Du hues schon Rescht wanns de sees, dass et schon vill bedait wann Lait engem dann awa weisen, dass een hinnen net egal ass an sie een awa gaer hun, egal op et eng Trennung fir laang oder kuerz ass. Ech mengen o, dass maer am Alldaag die Saachen vläit einfa als normal ugesin an net wieklech drop oppassen, bis et dann awa schon eng Trennung fir e besi mei laang ass als wéi just 1 Daag oder 1 Weekend.

    Gudden Post, hun en gaer gelies 🙂 Wenschen daer dann vill Spaass an Taipei an dass de gudd vun der Sonn profitéiers 🙂

    • An Denger Äntwert läit och nach eppes, wat ech zimmlech wichteg fannen z’erwähnen: fir déi déi fortgin ass et meeschtens méi einfach wéi fir déi, di doheem bleiwen! Mir hun quasi d’Kontroll iwwert dat wat geschitt – an mengem Fall sin ech et, deen entscheed wéi laang ech wou bleiwen an all di aaner mussen domat zurecht kommen ewéi ech entscheeden. Dat ass natierlech schwiereg, well ech fir d’éischt emol just fir mech entscheeden muss an dat dann awer och mach Bezéihung, Famill, Frenn asw kompatibel muss sin (zumindest grondleegend – soss machen ech mir genau esou vill Saachen doheem futti wéi ech mer hei opbauen…).
      Ech fannen et interessant, dass Du sees, Du gings mat den „internationalen“ Léit am beschten eenz gess – Du kanns dach emol eng Kéier op der Couchsurfing-Säit nofroen fir Dech mat e puer Leit vun do ze treffen. Vill vun deenen di sech do umellen hu fläicht méi Gemeinsamkeeten mat Dir an in e besschen méi oppen agestallt ewéi aanerer??

      Merci iwwregens fir d’Kompliment – et ass wierklech schéin wann een positiv Réckmeldung kritt =)
      lG, Rotzi

  2. So ein Abschied ist ja nie für immer. Und ja, Freunde lassen gehen und gehen auch selbst mal, aber nie wirklich weg, wenn es echte Freunde sind. Sei stolz auf sie, sei stolz auf Dich, denn ohne Grund möchten sie ebenso wenig Deine Freunde sein, wie Du auch einer für sie sein möchtest.

    Wie geht es Dir sonst so in der Ferne?

    • Und wieder mal hast Du wahre Worte gesprochen =)
      Die Ferne hat mich mit offenen Armen begrüßt und mir einige schöne Erfahrungen plus gut 2000 Fotos beschert!! Vor allem aber gute Unterhaltung, eine nette Familie und leckeeeer Essen… Posts sind in Arbeit aber es gibt ja sooo viel anderes zu tun =D (in Kombination mit ein wenig faul sein funktioniert das Schreiben nicht so flüssig wie ursprünglich angedacht)

      liebste Grüße,
      Rotzi

  3. Ich freue mich für Dich, dass Du so viele schöne Eindrücke gewonnen hast bisher! 🙂
    Genieße auch die Zeit des fauls seins, das Schreiben steht hinten an, die Zeit kommt auch noch.
    Lass es Dir gut gehen, ich freue mich auf Zeilen von Dir und möglicherweise auch auf 0,2 % der 2.000 Fotos, die Du jetzt schon hast, um teilhaben zu dürfen.

    Dir auch liebste Grüße
    Frau Chaos

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